Vom Zahlungsmittel zum Hochhaus – Der Werkstoff Glas.

Glas-Skyline in Paris © Tiberius Gracchus - Fotolia.com

Glas-Skyline in Paris © Tiberius Gracchus – Fotolia.com

Glas ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ob in Fenstern, als Geschirr oder einfach nur als Deko, Glas findet sich in jedem Haushalt überall auf der Welt. Doch wie entsteht Glas eigentlich? Und wo kommt es her?

Wir haben für Sie das Wichtigste zusammengestellt!

Allgemeine Definition

Spricht man von Glas, ist meist ein durchsichtiger Feststoff gemeint. Dabei ist Glas als Begriff aus der Thermodynamik (Wärmelehre) eine gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit bzw. Schmelze.

Kühlt eine Schmelze genügend schnell ab, lässt sich fast jeder Stoff in einen gläsernen Zustand versetzen. Deswegen gibt es so große Unterschiede im Glas, und auch Stoffe wie Acryl (Plexiglas) und Cellulose (Zellglas) bilden die Grundlage für Glasarten. Zudem gibt es auch natürliche Glasvorkommen: Obsidian, ein Produkt vulkanischer Aktivität und Fragmente von Meteoriten, Tektite genannt.

Beim Glas im herkömmlichen Sprachgebrauch handelt es sich um einen amorphen (formlosen) homogenen Feststoff, der überwiegend aus Silicium (Quarzsand) besteht. Durch die Beimengung anderer Stoffe können Färbungen und/ oder Trübungen des Glases erzeugt werden.

Welche Eigenschaften hat das Glas

Glas ist

– korrosionsbeständig
– unempfindlich gegen die meisten Chemikalien
– leitunfähig (Isolator)
– hitzebeständig (Ceran-Kochfeld)
– UV-undurchlässig
– undurchlässig für Gase und Flüssigkeiten
– schallbrechend
– druckbeständig
– geschmacks- und geruchsneutral
– recyclebar

Aufgrund dieser Eigenschaften ist Glas ein idealer Werkstoff und in vielen Bereichen einsetzbar.

Geschichte des Glases

Glas ist einer der ältesten Werkstoffe unserer Zeitgeschichte. Dennoch – oder gerade deshalb – ist sein Ursprung nicht vollends geklärt, weder zeitlich noch räumlich. Älteste Funde wurden auf 7000 v. Chr. datiert, dies entspricht dem Ende der jüngeren Steinzeit. Als Ursprungsort werden Arabien und der Osten Mesopotamiens (heutiger Irak) und unabhängig dazu Mykene (Griechenland), China und Nordtirol angesehen.

Historische Funde geben Hinweise darauf, dass Glas ein Zufallsprodukt unsachgemäßer Töpfertechniken war: durch zufälliges Vorhandensein kalkhaltigen Sandes und zu starkes Erhitzen des Töpferstückes bildete sich Glas als Film auf der Keramikoberfläche.

Bislang ist nur eine einzige Glashütte aus der Bronzezeit bekannt, die Glas aus seinen Rohstoffen herstellte. Datiert wird sie in die Ramessidenzeit (die Zeit, in der Ramses I. – XI. herrschten), Fundort ist Quantir-Piramesse im östlichen Nildelta.

Seit ca. 1450 v. Chr. werden in Ägypten Glasgefäße hergestellt. Die einfachste und bekannteste Methode war das Umwickeln eines Keramikkerns mit Glasstäben. Der Kern wurde nach Erkalten der Masse herausgekratzt. Durch die Zugabe von Antimon waren die Ägypter in der Lage, farbloses, durchsichtiges Glas herzustellen, da Antimon entfärbend wirkt.

Gleichzeitig wurde in Ägypten Glas auch zur Schmuckherstellung verwendet. Edelsteine wie Türkis oder Lapislazuli wurden durch gefärbtes Glas imitiert, wobei diese Imitation nicht als qualitativ minderwertig („billig“) galt, sondern vielmehr als hohe Kunst. Da im ägyptischen Sprachgebrauch kein Wort für Glas existierte, nannte man diese Imitationen „künstlicher Lapislazuli“ bzw. „künstlicher Türkis“.

Auch Glasperlen wurden in Ägypten hergestellt. Die Nuzi-Perlen werden als die ältesten Perlenfunde angesehen. Diese filigran und einzeln von Hand gefertigten Schmuckstücke gewannen immer mehr an Beliebtheit, wurden zum beliebten Zahlungsmittel und im Züge dessen gegen Reichtümer wie Elfenbein, Gold, Seide und Gewürze eingetauscht. Heute sind Glasperlen – vor allem venezianische – begehrte Sammelobjekte.

Die venezianischen Perlenmacher erhitzen einen Glasstab über offenem Feuer und wickeln ihn solange um einen Metallstab, bis die gewünschte Perlenform erreicht ist. Diese Grundform wird dann mit anderen Farben, hauchdünnen Glasfäden oder sogenannten Confettis (ganz dünne Glasplättchen) verziert. Nach dem langsamen Abkühlen und dem Entfernen der Stange bleibt ein Loch, durch welches die Perlen später aufgefädelt werden können. Diese aufwendig gefertigten Perlen nennt man aufgrund des Herstellungsverfahrens Wickelperlen.

Die Römer entdeckten einen weiteren Vorteil des Glases: im Gegensatz zu Metall, Ton, Holz und Leder ist Glas geschmacksneutral. So wurde es sehr bald bei Tisch als Karaffe und Trinkglas eingesetzt.

Fensterglas

Erste Fenstergläser gab es schon in Herculaneum (heutiges Ercolano) und Aix-en-Provence. Im 9. Jahrhundert fand sich Fensterglas auch in Rom, eine weitere Verbreitung geschah mit Aufkommen der Gotik im 12. Jahrhundert.

Oberflächenveredelung bei Glas

Durch verschiedene Behandlungsarten können Effekte auf die Glasoberfläche appliziert werden. Hauptschlich sind dies

– feinste Metallbeschichtungen auf Fenster- und Autoverglasung. Diese reduzieren die Aufheizung im Inneren im Sommer und den Wärmeverlust nach Außen im Winter.

– Beschichtung mit einem Material, welches einen anderen Brechungsindex hat als das Trägerglas. Somit können Gläser ver- oder entspiegelt werden, z. B. bei Brillen oder Fotoapparaten

– Aufrauen der Oberfläche durch Sandstrahlen oder mit Flusssäure. Dadurch wird das Licht breiter gestreut und das Glas wirkt milchig/ undurchsichtig.

Durch seine Vielseitigkeit wird Glas heutzutage in enorm vielen Bereichen eingesetzt, vom simplen Fensterglas bis hin zum kompletten glasarchitektonischen Gebäude!

 

Bild: © Tiberius Gracchus – Fotolia.com

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