Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

Geschenkt ist noch zu teuer – Das (Alb-)Traumhaus der Amerikaner

Das Haus, um das es in diesem Film geht, ist wohl die Personifizierung des amerikanischen Traums, das Sinnbild des Pursuit of Happiness. Das weiß getünchte Haus in einem New Yorker Vorort, das wäre es. Allerdings müssen Tom Hanks und seine Partnerin Shelly Long in dieser Steven Spielberg-Komödie auf dem Weg zum Traumhaus buchstäblich durch die Hölle gehen.

Unterschiede zwischen Amerika und Europa

Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

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Natürlich gibt es jetzt auch keinen durchgängigen europäischen Baustil, aber es gibt durchaus signifikante Unterschiede zwischen der alten und neuen Welt. Als Kind hat mich an dem Film immer fasziniert, dass das ganze Haus aus Holz zu bestehen schien. Die Fassade, die Treppe, die Böden, einfach alles. Diese Art von Bauen kenne ich in Deutschland oder anderen europäischen Ländern eigentlich nur als Ausnahme (Skandinavien jetzt mal ausgenommen).
Ein weiterer Unterschied ist die schiere Größe des Hauses. Natürlich ist es für den Film etwas übertrieben worden, um den Unterschied zwischen dem New Yorker Appartment und dem Traum im Grünen zu betonen, aber die Amerikaner bauen in der Tat größer, wuchtiger, ausladener, zuweilen protziger als die Europäer. Warum? Ich vermute mal, weil sie Platz haben! Und weil Holz leichter zu verarbeiten ist, als unsere Ziegel und unser Beton. Ich würde mich hier sehr über weitere Anregungen zu dem Thema freuen, nutzen Sie einfach das Kommentar-Feld!

Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

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Und was ist mit den Möbeln?

Der Blog heißt ja moebel-insider, also warum jetzt über das Haus quatschen, oder? Grundsätzlich richtig, aber auch das ist eine Eigenart der Amerikaner, nämlich dass viele Möbel gar nicht benötigt werden, da sie bereits ein Teil des Hauses sind. Dazu gehört z.B. der begehbare Kleiderschrank, Wandschränke, die nicht an der Wand stehen, sondern in die Wand eingelassen sind und Abstellkammern. Selbst einen Tisch braucht man nicht unbedingt, verfügen viele amerikanische Küchen über eine Ablage, ähnlich einem Bartresen, an dem man bequem im Stehen oder auf einem Barhocker sitzend essen und trinken kann.

Einige dieser Ideen sind durchaus charmant und vor allem praktisch. Leider sind die in bestehenden Gebäuden kaum umzusetzen. Eine zum begehbaren Kleiderschrank umfunktionierte Speisekammer lohnt sich nur bedingt, weil der spärlich bekleidete Weg vom Schlafzimmer zur Küche jeden Morgen doch etwas albern anmuten würde.
Auch Wandschränke sind nur schwer einzubauen, vor allem, wenn die klassische Innenwand in deutschen Häusern derzeit zwischen 11,5cm und 24cm schwankt. Es würde ein sehr flacher Schrank.

Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

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Was war zuerst da? Die Sit-Com oder das offene Wohnen?

Bei einem Neubau allerdings, kann man durchaus überlegen, ob man die ein oder andere Anregung aus den US-amerikanischen Filmen nicht übernimmt und die Badezimmer in direkter Nähe zu den Schlafzimmern baut, mit dem begehbaren Kleiderschrank als Verbindung.
Auch die derzeit so geliebte offene Bauweise, dass also Wohnzimmer, Kücher und Essbereich in einander übergehen, ist von den Amerikanern übernommen. Wir sehen das vor allem in den typischen Sit-Coms wie Eine schrecklich nette Familie oder Rosanne. Von dort aus haben wir uns irgendwann an diese Art zu leben gewöhnt, weil die im Fernsehen es ja auch machen. Mich würde in dem Zusammenhang interessieren, ob diese Art des Wohnens tatsächlich die klassische Arme-Leute-Bauweise in Amerika war und deshalb für die zuvor genannten Sit-Coms verwendet wurde, oder ob es eher umgekehrt war und man in Sit-Coms die vor Publikum aufgezeichnet wurden mehr Platz und Abwechslung brauchte, und deshalb dort auf die Idee des offenen Wohnens kam.

Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

Geschenkt ist noch zu teuer | 1986, Steven Spielberg, Tom Hanks, Shelley Long

Ein kleiner Exkurs in amerikanisches Leben

Amerika fasziniert uns Europäer spätestens seit Ende des zweiten Weltkriegs. Die Musik, diese lockere Lebensweise, aber auch die krassen Widersprüche und Spannungen, die das Land so schwer begreiflich machen. Egal ob gut oder schlecht, wir scheinen, die Ideen der Amerikaner immer erst einmal zu übernehmen.
Die Amerikaner sind Meister der Bequemlichkeit. Und genau nach diesen Maßstäben bauen sie ihre Häuser. Warum muss ich teure Möbel kaufen, wenn ich in einem Haus aus Holz die Schränke gleich einbauen könnte? Warum aufwendige Türstürze und Türen setzen, wenn man einfach offen bauen kann?
Diese Bequemlichkeit lässt sich bei uns nur bedingt umsetzen, wenn es aber gelingt, das beste aus beiden Welten zu vereinen, hat man in der Tat ein wunderbares Zuhause!

Was unsere beiden Hauptdarsteller in der eingangs erwähnten Komödie angeht: Tom Hanks und Shelley Long harmonieren perfekt und das Timing und die Gag-Dichte in diesem Film wurde selten erreicht. Allein die Szene mit der Badewanne (für alle, die den Film nicht kennen, möchte ich nicht zu viel verraten), ist ein Brüller. Aber der Film lebt bei allem Slapstick vor allem von den Wortgefechten der Protagonisten zu denen nicht zuletzt Alexander Godunov als unsympatischer Quoten-Russe zählt, den die meisten wohl als Terrorist in Stirb Langsam wiedererkennen werden. Leider wird heutzutage viel zu selten auf gute Drehbücher Wert gelegt. Weshalb einem die guten alten Filme erst Recht ans Herz wachsen.
Wer den Film tatsächlich nicht kennt, sollte ihm eine Chance geben. Bei Amazon gibt es ihn zum Beispiel recht günstig.

Und hier noch ein kleiner Vorgeschmack für die, die nicht warten können, oder die, die den Film ohnehin in- und auswendig kennen:

PS: Leider wurde die DVD-Version noch einmal neu synchronisiert. Warum ist mir nicht ganz klar, aber entweder war die Tonspur beschädigt oder verschollen oder aber es gab rechtliche Probleme. Das führte dazu, dass – soweit ich es überblicken kann – der ursprüngliche Synchron-Cast noch einmal zusammengetrommelt wurde und den Text mehr oder weniger noch einmal einsprach.
Leider ist die neue Version deutlich langsamer und behebiger als die erste Version. Eine Wortwitze sind unter den Tisch gefallen, Tom Hanks spricht eher wie ein alter Mann und nicht wie der drahtige, quirlige Junge, der er im Film war. Wer also die Möglichkeit hat, sollte mal in seinem alten VHS-Bestand gucken, ob er die ursprüngliche Version noch irgendwo hat!

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