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Das neue IKEA-Umtauschrecht – PR-Gag oder echte Möbelflatrate?

Der Kampf um Kundschaft geht weiter in der Möbelbranche.
Mit einem unbeschränkten Rückgaberecht, das sogar ein lebenslang gilt, wirbt seit kurzem das schwedische Möbelhaus IKEA in Deutschland um neue Kunden. Die Pressemeldung ist schon seit Wochen in den Medien und wird dementsprechend heiß diskutiert. Ist die Ikea-Umtausch-Aktion also lediglich eine schlaue Werbeaktion oder ein Freibrief für Kunden, eine schlecht getarnte Möbelflatrate?
Viele Fragen gibt es um das neue IKA-Umtauschrecht! Also schauen wir uns das Thema doch etwas genauer an:

Das neue IKEA-Umtauschrecht im Detail

Bisher, also bis zum 24. August 2014, war die Regelung so, dass Sie Ihre Möbel innerhalb von 90 Tagen bei IKEA zurückgeben konnten. Dazu musste aber die Originalverpackung überlebt haben. Das war die Regelung in Deutschland.
Bei der neuen Regelung, ab dem 25. August 2014 fallen beide Beschränkungen weg. Weder muss man die Produkte innerhalb der 90 Tage Frist zurückgeben, noch benötigt man die Originalverpackung. Lediglich der Kassenzettel wird verlangt. Davon ausgeschlossen sind allein Pflanzen, zugeschnittene Ware und Artikel aus der Fundgrube.
Aber Deutschland ist erstens nicht das einzige Land, welches diese neue Regelung erhält, noch ist es das erste Land. Was genau ist also der Plan hinter dieser Aktion?

Ikea passt Umtausch-Recht an

Neben Deutschland wird der neue IKEA Umtausch noch in Spanien und Großbritannien zum neuen Geschäftsjahr eingeführt.
Die ersten Erfahrungen konnte IKEA bereits in Norwegen und Dänemark machen, wo der IKEA Umtausch mit lebenslangen Rückgaberecht bereits seit drei Jahren praktiziert wird.
Hier gibt es also Erfahrungswerte. Und die wären? Wie sich herausstellt, hat nur ein geringer Teil der Kundschaft bisher vom IKEA Umtausch mit lebenslangen Rückgaberecht Gebrauch gemacht.

Ist das IKEA Umtauschrecht eine Möbelflatrate?

Das verwundert, denn eigentlich ist dieses Umtauschrecht DIE Gelegenheit! Man richtet sich einmal ein, sagen wir zum Beispiel, eine Couch, ein TV-Board, dazu zwei Billy-Regale mit passenden Türen und noch ein Besta-Regal. Alles in Birke.
Nach einem Jahr sagt man sich: Och, ich hätte gerne dunkle Möbel. Also packt man die Möbel ins Auto, fährt zu IKEA und tauscht die Möbel um. Dabei nimmt man vielleicht gleich eine größere Couch, weil man gestgestellt hat, die alte war doch etwas zu klein und lässt dafür das TV-Möbel sausen, weil der Plasma ohnehin an der Wand hängt. Ansonsten alles einfach in einer anderen Farbe. Wieder nach hause, aufbauen, einräumen, fertig!
Und man bezahlt nur die Differenz zwischen neuem Wohnzimmer und altem Wohnzimmer. Sollte man einfach die gleichen Möbel wählen, zahlt man also nichts! Das ist ein Angebot, das man nutzen sollte! Das ist eine Möbel-Flatrate!

Die Erfahrungswerte bei IKEA Norwegen und Dänemark

In Dänemark und Norwegen gibt es das Für-immer-und-alles-Rückgaberecht bereits seit drei Jahren. Und IKEA ist nicht pleitegegangen, wie wir wissen.
IKEA selbst geht davon aus, dass nicht viele die alten Möbel tatsächlich zurückbringen werden. Die Retouren zum Start der Aktion in Norwegen und Dänemark sind nur marginal angestiegen um circa ein Prozent. Später sind die Rückgaben auf das Ausgangsniveau eingependelt laut Stellungsnahme von IKEA Deutschland.

Das bedeutet aber, dass IKEA genau damit kalkuliert, nämlich dass wir alle brav weiter einkaufen und eben nicht unsere alten Möbel zurücktragen. Also: Ein PR-Gag und nichts weiter. Aber nicht etwa, weil im Kleingedruckten aus dem Rückgaberecht auf Lebenszeit ein gesetzlicher Mindeststandard gemacht wird, sondern allein, weil wir als Verbraucher diese Möglichkeiten nicht nutzen!

Der Möbelmulti hat sein Ziel also erreicht. Er sticht mit der PR-Aktion die Konkurrenz aus.
Außerdem, und jetzt wird es wirklich amüsant, spart IKEA massiv Zeit bei der Rücknahme der Ware ein, denn die Überprüfung der Ware und der Verpackung fällt flach. Jetzt geht es nur noch darum, ob man den Kassenzettel mit Kaufdatum nach dem 24. August 2014 für die entsprechenden Möbel vorlegen kann. Auch muss nicht mehr diskutiert werden, ob die Rücknahme gerechtfertigt ist oder nicht.
Man schätzt, dass IKEA dadurch rund ein Fünftel der Zeit bei der Rücknahme von Artikeln einspart!

Und alle Konkurrenten, ob groß oder klein gucken erstmal in die Röhre, denn diese ewigen Rabattschlachten glauben einem die Kunden ohnehin nicht mehr.

Fazit: IKEA gewinnt neue Kunden und Aufmerksamkeit

Nun bleibt abzuwarten, wie das neue IKEA-Rückgabe-Recht in Deutschland angenommen wird. Das wird sich in nicht kurzfristig sagen lassen, das muss sie Zeit zeigen. Ob man nun als Kunde genau wegen des Rückgabe-Rechts zum schwedischen Möbelhaus wechselt, ob es einen kalt lässt oder ob man sich darüber aufregt, dass man am 23. August gerade seine Wohnnugn mit neuen Möbeln eingerichtet hat, das ist Sache des Kunden.
Nur eines ist sicher: Sollten die deutschen Sparfüchse tatsächlich von dieser Quasi-Möbelflatrate Gebrauch machen, wird IKEA diese ganz schnell wieder einstellen. Denn dann verdient das Möbelhaus kein Geld mehr. Und nur darum geht es dem Gelb-blauen Riesen.

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Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Also ich finde, das ist alles nur leeres Geschwätz. Aber da ist nicht IKEA schuld, sondern der Endverbraucher!

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  2. Pingback: Nur ein PR-Gag ... Das Ikea Umtauschrecht ist wieder futsch - Moebel-Insider

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