Brasilianische Kiefer und Nordische Kiefer: Die wichtigsten Unterschiede

So viele verschiedene Möbel es gibt, so viele verschiedene Holzarten werden verwendet. Eines der bekanntesten Hölzer ist das Kiefernholz. Doch Kiefer ist nicht gleich Kiefer.
Die am häufigsten verwendeten Kiefernholz-Varianten sind die brasilianische Kiefer und die nordische Kiefer (oder Polarkiefer). Doch worin genau unterscheiden sich diese beiden verwandten Hölzer?

Brasilianische Kiefer oder Brasilkiefer

Allgemeines
Die Brasilianische Kiefer, eigtl. Araukarie, bildet in den Höhenlagen der atlantischen Regenwälder Brasiliens sowie in deren angrenzenden Nachbarländern ihre Wälder. Die Heimatregionen sind im einzelnen Serra do Mar, der Nordosten Argentiniens und Ost-Paraguay. Vereinzelte Vorkommen gibt es in São Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro.
Der immergrüne Baum erreicht eine Wuchshöhe von 30 – 40 Metern, einen Stammdurchmesser von mehr als einem Meter und kann bis zu 600 Jahre alt werden.
Die Samen der Araukarie sind, ähnlich wie Pinienkerne, essbar und dienen einheimischen Indianern bis heute als Nahrungsmittel.

Holz
Das Holz der Brasilkiefer ist vollkommen harzlos. Die Färbung des Splintholzes ist hellgelb, das Kernholz hingegen hell- bis rotbraun. Die gleichmäßige Holzstruktur weist einen überwiegend geraden Faserverlauf auf, die Jahresringe sind nahezu unsichtbar.
Araukarienholz zählt zu den mittelschweren Nadelhölzern und ist vom Gewicht her der einheimischen Lärche und Kiefer am ähnlichsten. Jedoch ist es um ca. 50% biegsamer als unsere Nadelhölzer.

Verarbeitung
Um Trocknungsschäden (Verzug, Risse, …) zu vermeiden, muss das Holz der brasilianischen Kiefer vorsichtig getrocknet werden. Bei größeren Abmessungen ist eine Nachlagerung im späteren Verwendungsklima von Nöten, was die Trocknung sehr aufwendig macht.
Dafür lässt es sich jedoch hervorragend beizen, polieren und streichen. Jegliche Bearbeitung mit Werkzeugen (nageln, schrauben, sägen, schleifen…) ist mit geringem Kraftaufwand möglich, besonders beim Hobeln, Fräsen und Bohren erzielt man glatte Flächen.
Die Witterungsbeständigkeit ist gering, und durch Mitverarbeitung des Splintholzes besteht bei Feuchtigkeit „Verblauungsgefahr“ (grau-schwarze Streifenbildung durch Befall mit Bläuepilz).

Verwendung
Überwiegend wird das Massivholz verwendet für

  • Möbel
  • Innenausbau: Wand- und Deckenbekleidung, Treppen, Schmaldielen
  • Bänke in Kirchen, Versammlungs- und Gemeinschaftsräumen
  • Turnhallenausstattung (Leitern, Kästen)
  • Lange Gerätestiele, Sportartikel, Spielzeug
  • Bau von Musikinstrumenten

Wirtschaftlichkeit/ Umwelt
Die Araucarienwälder Brasiliens fielen, wie die übrigen küstennahen Wälder auch, der holzwirtschaftlichen Ausbeutung zum Opfer und sind heutzutage nur noch in Resten in naturnaher Form erhalten.
Die Baumart steht in der Roten Liste der IUCN unter „stark gefährdet“; von ursprünglich 250.000 Quadratkilometern natürlicher Araukarie-Vorkommen sind weniger als 1.000 Quadratkilometer erhalten geblieben.
Heute stammen die Bäume, die wirtschaftlich genutzt werden, zum Großteil aus Plantagen.

Anmerkung:
Die Araukarie ist im herkömmlichen Sinne keine Kiefer.
Ihr Beiname kommt aus der irrtümlichen Übersetzung des brasilianischen „Pinho“ (engl.: „Pine“). Hiermit werden jedoch nur die Vertreter der Kieferngattung Pinus bezeichnet, zu der die Araukarie (lat.: Araucaria angustifolia) nicht zählt.

Quelle: Wikimedia

Nordische Kiefer

Allgemeines
Nordische Kiefer oder Polarkiefer stammt in der Regel aus den menschenleeren Weiten Skandinaviens, Finnland und Russland.
Die Wuchshöhe dieses rasch wachsenden Baumes kann bis zu 50m betragen, der Stammdurchmesser bis 1m.
Geerntet wird Hiebholz mit 100 – 120 Jahren, hochwertiges Qualitätsholz mit über 160 Jahren.

Holz
Das Splintholz der nordischen Kiefer ist gelblich- bis rötlich-weiß gefärbt, das Kernholz ist frisch rötlichgelb und dunkelt ins rotbraune nach.
Im Gegensatz zur brasilianischen Kiefer sind bei der Polarkiefer die Harzgänge deutlich auch mit bloßem Auge gut erkennbar. Auch die Jahresringe sind sehr gut sichtbar.

Verarbeitung
Nordisches Kiefernholz ist durch seine gute Zähigkeit und mäßige Schwindung (Verlust von Wassergehalt, hohe Schwindung macht Verarbeitung schwierig) dankbar in der Verarbeitung. Es lässt sich schnell und ohne großen Aufwand trocknen, jedoch besteht eine leichte Tendenz zum Reißen. Es ist anfällig für holzzerstörende Pilze und sollte nicht in direktem Erdkontakt oder direkter Bewitterung verwendet werden.
Wie das Holz der Araukarie neigt auch das Splintholz der Polarkiefer zum Verblauen, gegen Fraßschädlinge (Holzwurm, Hausbock) ist es weitestgehend immun.
Die Holzbearbeitung durch Fräsen, Hobeln, Nageln, Leimen und dergleichen ist problemlos möglich. Allerdings kann sich der hohe Harzgehalt bei Lasuren, Anstrichen und Beizen negativ auswirken, obwohl das Holz auf diese Techniken wie sein südlicher Namensvetter sehr gut anspricht.

Verwendung
Nordisches Kiefernholz ist ein echter Allrounder. Es wird eingesetzt
als Bau- und Konstruktionsholz im Innen- und Außenausbau (Dachkonstruktionen, Treppen, Geländer, Fußböden, Decken, Fenster, Türen und Tore, …)
im Möbelbau (massiv und Blindholz, Furnier als optische Verschönerung)
imprägniert als Fassadenverkleidung, Terrassendecking und diverse Einsatzgebiete im Garten- und Landschaftsbau
als Rammpfähle im Wasser-, Hafen- und Bergbau
als Schwellenholz im Gleisbau von Bahnstrecken
bei der Herstellung von Holzwerkstoffen (z. B. Spanplatten)
in der Verpackungsindustrie (Kisten, Paletten, Fässer und Holzwolle)

Wirtschaftlichkeit/ Umwelt
Da die nordische Kiefer ein schnell wachsender Baum ist, sind Komplettrodungen mit starken Flurschäden nicht „notwendig“. Das meiste forstwirtschaftlich genutzte Kiefernholz stammt aus Kiefern-Kulturen oder aus nicht bewohnten Landschaftszweigen. Durch ihr häufiges Vorkommen ist ein Raubbau gut zu umgehen.
Das Holz der Polarkiefer ist gängig FSC-zertifiziert erhältlich!

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